Größtes Stadion Österreichs:
Autarkie! Aber Wie?
Das 1931 fertiggestellte und unter Denkmalschutz stehende Wiener Ernst-Happel-Stadion soll sich in das erste CO2- neutrale und klimaautarke Stadion Europas verwandeln. Dazu wurde eine der größten Aufdach-PV-Anlagen Wiens errichtet, die einen Jahresertrag von 4 GWh bringen soll.
Die Beheizung des Stadions sowie die Rasenheizung des Spielfeldes und der Trainingsplätze erfolgte bislang über einen Fernwärmeanschluss der Wien Energie. Zukünftig wird der Wärmebedarf von 7,25 GWh/a durch den Einsatz von Wärmepumpen abgedeckt, die mit Eigenstrom aus der PV-Anlage betrieben werden. Um eine größtmögliche Versorgungssicherheit zu gewährleisten, werden verschiedene Wärmequellen genutzt und der Schwerpunkt dabei auf geothermische Quellen gelegt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass auch hier eine Anlage der Superlative im Entstehen ist.
Erdwärmesonden
Das Erdwärmesondenfeld umfasst eine Fläche von 3 Fußballfeldern. In 270 Bohrungen von 150 m Tiefe wurden über 40 km an Duplexsonden eingebaut. Die Sonden versorgen Solewärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 2,1 MW, die einen Jahresertrag von 4,5 GWh liefern. Ein Spitzenertrag, der durch eine vollständige thermische Regeneration des Untergrundes in den Sommermonaten möglich wird. Die eingespeiste Wärme stammt aus mit PV-Strom betriebenen Grundwasserwärmepumpen. Um den Betrieb der Sportstätten möglichst kurz zu beeinträchtigen, wurden von der Bohrfuchs GmbH bis zu 14 Bohrgeräte gleichzeitig eingesetzt und die Arbeiten innerhalb von 9 Wochen fertiggestellt.
Flachkollektor
Im Bereich von 4 Fußballfeldern wurde ein Flachkollektor errichtet, der in das System eingebunden ist und die Quelle für 435 kW Wärmepumpenleistung bildet. Eine sorgfältige geotechnische Planung stellt sicher, dass Bodenbewegungen durch Frost-/Tauwechsel verhindert werden.
Brunnenanlage
Die thermische Grundwassernutzung erfolgt durch 4 Brunnenpaare. Grundwasser wird mit einer Gesamtrate von 120 l/s entnommen und nach der thermischen Nutzung wieder rückgegeben. Damit kann eine Wärmepumpenleistung von 2,3 MW erzielt werden.
Im Sinne des Gewässerschutzes wurden bei der Projektplanung die hydraulischen und thermischen Auswirkungen auf Grundwasser und Boden durch numerische Simulation dargestellt. Dabei wurde das Zusammenspiel aller Anlagenteile betrachtet, um den wasserwirtschaftlichen Vorgaben zu entsprechen.