Trendwende: Wärmepumpe erstmals absatzstärkstes Heizsystem

Trendwende: Wärmepumpe erstmals absatzstärkstes Heizsystem

2022 ist das Jahr der Trendwende – erstmals wurden mehr erneuerbare Heizsysteme installiert als fossile. Wärmepumpen überholen fossile Heizsysteme mit einem bisherigen Rekordabsatz von mehr als 50.000 Stück. Zusätzlich wurden über 11.100 Warmwasser Wärmepumpen für die hocheffiziente Bereitstellung von Warmwasser zu bestehenden Heizsystemen installiert. Hohe und schwankende Energiepreise, verschiedene Probleme in der Lieferkette sowie geopolitische Veränderungen haben ihrerseits den ohnehin starken Wandel nochmals beschleunigt und lassen auch den Gesamtmarkt um rund 15 % auf 110.000 Heizysteme wachsen. Diese Entwicklung für die Wärmepumpe als zentrales Instrument der Energiewende ist lt. einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris weltweit zu beobachten.

Internationale Bedeutung der Wärmepumpe steigt

IEA bestätigt die zentrale Rolle der Wärmepumpe im globalen Ausmaß

In ihrem Bericht „The Future of Heat Pumps“ vom 30. November 2022 bezeichnet die IEA die Wärmepumpe als unverzichtbaren Bestandteil jedes Plans zur Reduzierung von Emissionen und Erdgasverbrauch. „Im IEA-Szenario, in dem alle Regierungen ihre Energie- und Klimazusagen erfüllen, werden Wärmepumpen zum wichtigsten Mittel zur Dekarbonisierung der Raum- und Warmwasserbereitung weltweit. Die IEA schätzt, dass Wärmepumpen das Potenzial haben, die globalen Kohlendioxidemissionen (CO2) bis 2030 um mind. 500 Millionen Tonnen zu reduzieren – das entspricht den jährlichen CO2-Emissionen aller Autos in Europa heute.“ fasst IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol den Bericht zusammen.

Marktentwicklung in Europa

Der europäische Wärmepumpenmarkt wuchs lt. der European Heat Pump Association (EHPA) 2022 nach ersten Daten mit rund 3 Millionen verkauften Wärmepumpen um fast 38 %. Sie ersetzen rund 4 Milliarden Kubikmeter Erdgas und vermeiden rund 8 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Europas gesamter Wärmepumpenbestand von rund 20 Millionen Stück vermeidet 54 Millionen Tonnen CO2 – das entspricht in etwa den jährlichen Emissionen Griechenlands.

Abbildung 1: Entwicklung des Wärmepumpenmarktes in der EU, Quelle: www.ehpa.org
Abbildung 1: Entwicklung des Wärmepumpenmarktes in der EU, Quelle: www.ehpa.org
 

Wärmepumpenmarkt in Österreich

Stolz zeigt sich WPA Verbandspräsident Richard Freimüller über die herausragende Leistung der österreichischen Wärmepumpenbranche. Mit mehr als 50.000 installierten Heizsystemen übernimmt die Wärmepumpe rund 46 % des Heizungsmarktes in Österreich und ist damit die absatzstärkste Energietechnologie.

Marktentwicklung 2022 Österreich

Mit 61.546 Stück verkauften Wärmepumpen wurde im österreichischen Inlandsmarkt im Jahr 2022 wieder ein neuer Rekordabsatz erreicht. Davon entfallen 50.393 auf Heizungs-Wärmepumpen und 11.153 auf Warmwasser Wärmepumpen. Diese beeindruckende Zahl bedeutet ein Fortschreiten des Trends, der über die letzten Jahre immer deutlicher zu sehen war. Die Wärmepumpe ist das führende Heizsystem im Neubau, mit starkem Wachstum in der Heizungssanierung.

Abbildung 2: Entwicklung der Wärmepumpen-Verkaufszahlen (Inlandsmarkt) von 2011 bis 2022, Quelle: Wärmepumpe Austria
 

Überblick der Fakten zum Wärmepumpen-Markt in Österreich 2022:

Heizwärmepumpen:                             50.393 Stück  + 61,6 %

Brauchwasser-Wärmepumpen:         11.153 Stück + 51,9 % 

Beschäftigungseffekt:                          3.286 Vollzeitäquivalente (2020)

CO2-Einsparung:                                    872.384 Tonnen CO2-Einsparung (2021)

 

Abbildung 2, li: Marktentwicklung 2021 und 2022; Abbildung 3, re: Verteilung der Wärmequellen, Quelle: Wärmepumpe Austria

„Besonders freut mich, dass sich die Wärmepumpe nun auch in der Sanierung immer mehr durchgesetzt hat. Beim Verband schätzen wir, dass bereits über 70 % des Wärmepumpe-Absatzes von der Sanierung alter Heizungen kommen. Hier konnten wir durch beständige Aufklärung alte und längst überholte Mythen rund um die Sanierung mit Wärmepumpen entkräften. Moderne Wärmepumpen sind auch in Verbindung mit Heizkörpern einsetzbar und sorgen auch in dieser Kombination effizient und zuverlässig für angenehme Temperaturen.“, erklärt Richard Freimüller, Präsident des Verbands Wärmepumpe Austria.

Das Beste aus Ökologie und Ökonomie

Wärmepumpen bieten Antworten auf die Bedürfnisse der Kunden nach Unabhängigkeit, Sicherheit und langfristiger Leistbarkeit. Sie nutzen die kostenlose Umgebungswärme aus verschiedensten Wärmequellen (Luft, Erde und Wasser). Mit einem Wirkungsgrad, der bei Wärmepumpe Arbeitszahl genannt wird, von 300 bis 400 Prozent holt die Technologie das drei- bis vierfach an nutzbarer Energie aus Umweltwärme, als sie Antriebsenergie benötigt.

Die Wärmepumpe arbeitet darüber hinaus vollkommen emissionsfrei und verringert so die Luftverschmutzung (Schadstoffbelastung) in Wohngebieten. Als einziges Heizsystem ermöglicht die Wärmepumpe auch die Kühlung von Gebäuden. Als Bestandteil der Sektorenkopplung sind Wärmepumpen flexible und steuerbare Stromabnehmer und Schnittstelle zur thermischen Speicherung von elektrischer Energie.

Um 2040 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, braucht es bis dahin jährlich über 60.000 neu installierte Wärmepumpen-Heizungsanlagen. Damit würden im Jahr 2040 1,3 Millionen Wärmepumpen hocheffizient und leistbar, erneuerbare Wärme bereitstellen. Mit der aktuellen Entwicklung sind wir auf einem guten Weg, diese Ziele zu erreichen. Es braucht aber weiterhin all unsere Anstrengungen und kontinuierliches und nachhaltiges Wachstum

 

Hemmnisse und Barrieren rasch abbauen!

„Die Wärmewende ist eine Tatsache, sie nimmt mit jeder neu installierten Wärmepumpe mehr Fahrt auf. Jetzt heißt es klug und schnell handeln, keine weiteren Barrieren aufbauen und bestehende rasch und nachhaltig beseitigen. National bedarf es der Verbesserungen im Förderungswesen und Klarheit bei Genehmigungsverfahren. Längst widerlegte Anforderungen, wie die Einschränkung auf Niedertemperatur-Systeme, eine max. Vorlauftemperaturen von 40° oder unerfüllbare Anforderungen an den Schallschutz müssen rasch geändert werden. Auf Europäischer Ebene ist der vorliegende Entwurf der F-Gase Verordnung eine unüberwindbare Hürde für den zukünftigen Markt.“ skizziert Heizungsexperte Richard Freimüller den Handlungsbedarf.

 

Nachfolgend kurz zusammengefasst wesentliche Punkte, die rasch und konsequent geändert werden müssen, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen! Wir fordern folgende Änderungen in den Bereichen Förderungen, gesetzliche Rahmenbedingungen und öffentliche Information/Kommunikation:

Förderungen: Bürokratie und Vorurteile abbauen

  • Die Förderungseinschränkung der max. Vorlauftemperatur von 40°C bei Wärmepumpen ist zu entfernen, oder, wie in der EU harmonisiert, auf 55°C anzuheben.
  • Das EU-Umweltzeichen ist ein Relikt aus der Vergangenheit, in Zentraleuropa hat sich das EHPA-Wärmepumpen-Gütesiegel als Qualitäts- und Förderungskriterium etabliert.
  • Bundesförderungen „Raus aus Öl und Gas“ & „Sauberes Heizen für alle 2022“: Aufheben der Fördermittelreduktion und der Einschränkungen der Wärmepumpenförderungen abhängig vom verwendeten Kältemittel.
  • Bundesförderungen für Großwärmepumpen-Anlagen im größeren Leistungsbereich für Wohnbau, Gewerbe, Industrie und Kommunen etc., sind deutlich zu erhöhen.

Gesetzliche und normative Rahmenbedingungen

  • Rascher Beschluss des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes und damit das Verbot von fossilen Verbrennungstechnologien am Gebäudesektor
  • Leistbarer Strom für Betrieb von Wärmepumpen: Senkung von Steuern und Abgaben bzw. -befreiung zur langfristigen Stabilisierung der Wärme- und Betriebskosten und des netzdienlichen Betriebs.

Öffentliche Information und Kommunikation

  • „klimaaktiv Heizungsmatrix“: Falsche oder veraltete Aussagen in Kundeninformationen von öffentlicher Seite sind zu umgehend zu korrigieren.
  • Öffentliche Kommunikation, Kommunikationskanäle und Plattformen sollten über aktuelle Erkenntnisse, Zahlen und Daten in erster Linie neutral informieren, Fehlinformationen ausräumen und Empfehlungen geben.

 

Verbandspräsident Richard Freimüller, Foto: WPA

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