Pressefrühsück | Erneuerbare Heizsysteme 2023

Trotz Einbruch am Heizungsmarkt steigern
Wärmepumpen ihren Marktanteil

Auf das Rekordjahr für Erneuerbare 2022 folgt der Einbruch des Heizungsmarktes 2023

Die mit dem Angriffskrieg in der Ukraine verbundenen Energiepreisschwankungen und Versorgungsunsicherheiten läuteten 2022 die Trendwende am österreichischen Heizungsmarkt ein: Erstmals wurden mehr erneuerbare Heizsysteme installiert als Fossile. Trotz rückläufiger Bautätigkeit stieg der gesamte Heizungsabsatz 2022 auf über 110.000 Stück (exkl. leitungsgebundener Fernwärme). Fallende Energiepreise, stark gestiegene Baupreise und Zinsen und die Ankündigung höherer Förderungen ab 2024 führten zum drastischen Rückgang am Heizungsmarkt um rund 25.000 Stück im Jahr 2023.

„Der sprunghafter Anstieg und der unmittelbar folgende Einbruch Mitte 2023 ist nicht nur für die Heizungsindustrie schwer zu verkraften. Auch Installations- und Gewerbebetriebe stehen vor großen Herausforderungen. Die notwendige Planungssicherheit fehlt.“ betont Verbandspräsident Freimüller.

Erneuerbares Wärmepaket: Ankündigung höherer Förderungen führt zum abrupten Ende des Heizungstausches 2023

Nachholeffekte aus dem Jahr 2022 dominierten den stabilen Absatz im ersten Halbjahr 2023. Das Scheitern des Erneuerbaren Wärme Gesetzes in seiner ursprünglichen Form, mit klaren zeitlichen Vorgaben zum Ausstieg aus fossilen Heizsystemen, führt gemeinsam mit der medialen Beschwichtigung zur Versorgungssicherheit Österreichs zu einem starken Marktrückgang im zweiten Halbjahr 2023.

Die Ankündigung der Bundesregierung einer deutlich höheren Förderung für die Heizungsumstellung auf Erneuerbare ab 2024 mit bis zu 75 % der Investitionskosten, brachte den Heizungsmarkt zum Erliegen.

„Volle Gasspeicher und sinkende Energiepreise vermitteln eine trügerische Sicherheit. Abwarten und nichts tun ist das Falsche, denn der Klimawandel und seine Folgen können nur durch einen raschen Ausstieg aus fossilen Energiesystemen gestoppt werden“ unterstreicht Freimüller.

Abbildung1: Rückgang Heizungsabsatz 2022 auf 2023 in Österreich (ohne Nah- und Fernwärme); Eigene Darstellung, Quellen: Wärmepumpe-Austria Markterhebung, Branchen- und Expertenabschätzungen
Abbildung 1: Entwicklung des Wärmepumpenmarktes in der EU, Quelle: www.ehpa.org

Kein Ende in Sicht: Rückläufiger Neubau trifft Wärmepumpen-Branche schwer

In den vergangen drei Jahren sank die Neubautätigkeit von 32.000 neu errichteten Gebäuden um mehr als
50 % – Tendenz: weiter fallend. Besonders stark ausgeprägt ist der Rückgang im Bereich der Ein- und Zweifamiliengebäude. Auf Grund des besonders hohen Marktanteils von Wärmepumpensystemen in dieser Gebäudekategorie fehlen 10.000 Wärmepumpensysteme im Inlandsmarkt.

Die Gründe für den rückläufigen Neubau sind vielfältig. Die allgemeine Teuerung, die gestiegenen Baupreise und Zinsen senken die Kaufkraft und die Möglichkeit der Menschen, Investitionen zu tätigen. Stark verschärfte Kreditvergaberegelungen erschweren es ihnen zusätzlich, ihr Bauvorhaben umzusetzen.

„Wann und wie weit das von der Bundesregierung angekündigte Konjunkturprogramm zur Stabilisierung der Baubranche Wirkung zeigen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgesehen werden. Für die Wärmepumpen-Branche wirken die Maßnahmen zu langsam.“ so Freimüller

Abbildung 2: Rückläufige Neubautätigkeit mit Anteil von Gebäuden mit Wärmepumpen; Eigene Darstellung, Quelle: Statistik Austria, Baubewilligungen, Neuerrichtung ganzer Gebäude, Abruf am 23.02.2024

Wärmepumpen-Marktentwicklung 2023 in Österreich

Der starke Rückgang des Gesamtmarktes im Jahr 2023 hat auch vor den Wärmepumpen nicht Halt gemacht. Wärmepumpen als absatzstärkste Heiztechnologie in Österreich wurden mit einem Rückgang von knapp 12 % auf 43.500 Heizungswärmepumpen getroffen.

„Das Ziel, 2023 den Rekordabsatz von 2022 mit rund 50.000 neu installierten Wärmepumpen zu toppen, wurde weit verfehlt. Die Dekarbonisierung des Heizungssektors rückt immer weiter in die Ferne“ stellt Verbandspräsident Freimüller fest.

Zur Dekarbonisierung des österreichischen Gebäudebestands bedarf es laut der Studie „Wärmezukunft 2050“ der TU Wien und der langfristigen Renovierungsstrategie Österreichs rund 1.300.000 Wärmepumpen im Bestand. Dies würde einen konstanten jährlichen Absatz von etwa 60.000 Wärmepumpen benötigen.

Langfristig stabil bleibt der Absatz von Brauchwasser-Wärmepumpen mit über 11.500 Stück für die sichere und effiziente Bereitstellung von Warmwasser. Beide Systeme, sowohl Heizungs- als auch Brauchwasserwärmepumpen sind ein wichtiger Bestandteil unseres zukünftigen Energiesystems. Auch im Bereich der Großwärmepumpen konnte der Absatz um 23,7 % gesteigert werden und erreichte mit 162 Anlagen den bisher höchsten Jahresabsatz in diesem Segment.

 

Trotz Rückgang: Wärmepumpen Nummer 1 am Heizungsmarkt mit steigendem Marktanteil

Die rund 43.500 im Jahr 2023 neu installierten Heizungs-Wärmepumpen wurden nahezu ausschließlich für die Heizungssanierung eingesetzt. Durch den deutlich kleineren Gesamtmarkt stieg der prozentuelle Marktanteil der Wärmepumpe jedoch auf knapp über 50 %.

„Das einzige Positive an der Situation ist, dass der Marktanteil von Wärmepumpenheizungen im Vorjahr auf über 50 % gestiegen ist. Damit erscheint ein Comeback fossiler Heizungssysteme höchst unwahrscheinlich“ hebt Verbandspräsident Freimüller hervor.

Abbildung 3: Verteilung Heizungsabsatz 2023 (re) & Anteil Erneuerbare Heizungen 2023 (li) in Österreich (ohne Nah- und Fernwärme); Eigene Darstellung, Quellen: Wärmepumpe-Austria Markterhebung, Branchen- und Expertenabschätzungen
 

Daten und Fakten zum Wärmepumpen-Markt in Österreich, 2023:

  • Heizungswärmepumpen: 43.500 Stück
  • Brauchwasser-Wärmepumpen: 11.500 Stück
  • Großwärmepumpen: 160 Stück
  • Wärmequellen: 87 % Luft, 13 % Erde und Grundwasser
  • Beschäftigungseffekt: 6.500 VZÄ (Vollzeitäquivalente, ohne EVUs) 2022
  • CO2 – Einsparung p.a.: 1.001.847 Tonnen CO2
    Quellen: Innovative Energietechnologien in Österreich Marktentwicklung 2022

 

Bundesförderung „Raus aus Öl und Gas 2024“: Hohe Förderungen, Qualität und verbesserte Rahmenbedingungen unterstützen den Heizungstausch

Die Wärmepumpentechnik und die Produkte haben sich im vergangenen Jahr stark weiterentwickelt. Das EHPA-Gütesiegel für Wärmepumpen hat sich als Qualitätsstandard etabliert, Produkte sind leiser und noch effizienter geworden. Dies führte auch zur Anpassung bei technischen Normen und letztendlich auch bei den Förderungsbedingungen des Bundes.
„Der stark gestiegene Einsatz von Wärmepumpe im Bereich des Heizungstausches ist die Bestätigung dafür, dass auch in Bestandsgebäuden mit Heizkörpern Wärmepumpen eine hervorragende Alternative für Öl-, Gas- und veraltete Holzheizungen sind.“ so Verbandspräsident Richard Freimüller.

Wichtige Änderungen, Eckpunkte und Status der Förderung

  • Gefördert wird der Ersatz von Öl-, Gas-, Kohle- oder Stromdirekt-Heizung durch Wärmepumpen
  • Die Voraussetzung für viele Förderungen in Österreich ist das EHPA-Wärmepumpen-Gütesiegel. Es ist ein Qualitätsversprechen an Kundinnen mit hohen Standards und Effizienzanforderungen.
  • Die Auflistung förderfähiger Produkte findet man unter www.umweltförderung.at. Produkte werden in der Gebäude- und Energietechnikdatenbank, kurz GET, verwaltet.
  • 55 ° C max. Vorlauftemperatur: Entsprechend der technologischen Entwicklungen wie höherer Effizienz und größerer Einsatzbereiche wurden die Voraussetzungen der Bundesförderung an den Stand der Technik angepasst. Bestehende Heizkörper stellen damit kein Problem für die Förderung von Wärmepumpen dar.

Förderbetrag

max. 16.000 € für Luft-Wärmepumpen
max. 23.000 € für Erd- und Wasserwärmepumpen

Zuschläge

+ 5.000 € Brunnen- oder Tiefenbohrung
+ 4.000 € Niedertemperatur-Verteilsystem

Zusätzlich können je nach Bundesland bis zu 12.500 € (am Bsp. Wien) an Landesförderungen beantragt werden. Der Gesamtbetrag öffentlicher Förderungen ist mit maximal 75 % der förderfähigen Kosten beschränkt.

Förderfähige Kosten sind Wärmepumpe und –quelle, Einbindung ins Heizungssystem, Speicher, Regelung, Elektroinstallationen, Demontage und Entsorgung von Kessel und Tank.


Mit Stand 5. Februar 2024 wurden bereits 37.737 Förderungsanträge und weitere 26.547 Registrierungen gestellt. Zu diesem Zeitpunkt standen noch Fördermittel i. H. v. 1.404,1 Mio. Euro zur Verfügung.

 

Kundeninformation und Beratung: NEUE Heizungsmatrix von klimaaktiv

Heizungsumstellung: Information und Beratung von Experten unterstützt Kunden bei der Entscheidung.
Soll eine alte Gas- oder Ölheizung ersetzt werden, dann sprechen Sie mit einem Wärmepumpen-Profi!
In der Planungsphase werden im Beratungsgespräch die Gegebenheiten vor Ort begutachtet und erfasst, u. a. der bisherige Energieverbrauch, der Gebäudezustand, das Wärmeabgabe- und Warmwassersystem und ggf. Wünsche an Raumtemperaturen und Komfort. Darauf aufbauend kann das geeignete Wärmepumpensystem vorgeschlagen und angeboten werden.

Erfolgt eine Energieberatung im Vorfeld, so orientieren sich Berater an der Heizungs-Matrix von klimaaktiv. Diese Heizungs-Matrix unterstützt sie dabei, die richtige Heizung zu finden und schafft einen schnellen Überblick der zu empfehlenden Systeme.

Abbildung: klimaaktiv-Heizungs-Matrix; Quelle: www.klimaaktiv.at, Abruf am 19.03.2024

Wärmepumpen stellen auf Basis der Umgebungswärme mithilfe von Strom effizient Heizwärme zur Verfügung. Zeigt die Planung, dass die Vorlauftemperatur 55 °C nicht übersteigt, so eignet sich die Wärmepumpentechnologie besonders gut, um den Heizwärmbedarf zu decken.

Welche Wärmequelle und somit welche Wärmepumpe zum Einsatz kommt, hängt vom Gebäude und den lokalen Rahmenbedingungen ab. Kleine Maßnahmen wie z. B. gezielter Heizkörpertausch senken Vorlauftemperaturen um einige Grad, sparen dauerhaft Betriebskosten!

 

Neue Einsatzbereiche erneuerbarer Wärmepumpentechnologie - Industrie, Fernwärme und Nicht-Wohngebäude

Die europäische Industrie benötigt etwa ein Viertel des gesamten Energiebedarfs Europas. Davon werden 43 % verwendet, um Temperaturen von bis zu 200 °C bereit zu stellen.

„In vielen gewerblichen und industriellen Bereichen können Wärmepumpe Temperaturen und Leistungen hocheffizient, schadstoff- und CO2-frei bereitstellen kann.“ hebt Verbandspräsident Freimüller die zentrale Rolle der Wärmepumpentechnologie für die Dekarbonisierung des Industriesektors hervor.

Für eine klimaneutrale Industrie muss sowohl die gebäudebezogene Wärmeversorgung als auch die Erzeugung von Prozesswärme auf nachhaltige und erneuerbare Wärmequellen umgestellt werden.

Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur könnten Wärmepumpen allein in der Papier-, Lebensmittel- und Chemieindustrie in 3.000 Anlagen die benötigte Wärme im Ausmaß von 15 Gigawatt hocheffizient bereitstellen, und damit wesentlich zur Kostensenkung und Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen.

Diesem Thema widmet sich der 8. Internationale Großwärmepumpen-Kongress, welcher heuer am Dienstag, 11. Juni 2024 beim Schaukraftwerk Forstsee, Techelsberg am Wörthersee stattfindet.

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