Die Wärmepumpe und der Strompreis-Deckel

Die Wärmepumpe und der Strompreis-Deckel

Bundeskanzler Karl Nehammer lässt durch Finanzminister Magnus Brunner einen Vorschlag für einen Strompreis-Deckel von Gabriel Felbermayr (Wirtschaftsforschungsinstitut) prüfen. Dieser sieht vor, dass ein Teil der Stromrechnung vom Staat abgegolten wird, um mögliche Notlagen aufgrund der hohen Energiepreise abzufedern. Ein Vorschlag des österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) fordert einen regulierten Höchstpreis für einen Grundbedarf an Energie. Alles, was darüber hinausgeht, ist selbst zu bezahlen. Beiden Vorschlägen liegt der Anreiz zum Energiesparen zugrunde.

Gesonderte Betrachtung

Der Verband Wärmepumpe Austria hat kürzlich das Schreiben einer Konsumentin erhalten mit der Bitte, sich in der Strompreis-Deckel-Entscheidung für eine gesonderte Berechnung für Haushalte mit einer Wärmepumpe einzusetzen. Begründet wurde dieser Vorschlag mit den Investitionskosten in eine umweltfreundliche Form der Warmwasseraufbereitung und Heizung, die keinerlei Emissionen verursache und aktiv einen Beitrag zum Erreichen von Österreichs Klimaschutzzielen leiste. Nun solle diese vorausschauende, energieeffiziente und umweltfreundliche Initiative bestraft werden, indem man nur für einen durchschnittlichen Strombedarf eine Vergünstigung erhalte. Wir haben diese Anfrage an mögliche Entscheidungsträger weitergeleitet und sind gespannt auf den Entwurf der Experten aus den Ministerien. Uns ist wichtig, gerade in Zeiten steigender Strompreise auf die Vorteile der Wärmepumpe hinzuweisen.

In Österreich wird bei Berechnungen ein durchschnittlicher Verbrauch für Haushaltsstrom von rund 3.500 Kilowattstunden (kWh) angenommen. Bei einem Haushalt mit Wärmepumpe kommen zum Durchschnittsverbrauch 5.827 kWh jährlich dazu. Allerdings fallen hier in der Regel keine zusätzlichen Kosten für Heizung und Warmwasseraufbereitung an. Für einen Kostenvergleich wird der durchschnittliche Bedarf für ein Einfamilienhaus mit rund 3.000 Liter Öl oder 6.000 Kilogramm Pellets angenommen. Aus meiner Sicht bleibt das Kostenverhältnis zwischen den Energiesystemen trotz steigender Strom- und Energiepreise gleich - aber insgesamt auf einem höheren Niveau.

Aktuelle Daten

Eine aktuelle Studie der TU Wien belegt, dass in Österreich bis 2050 nur rund zwei Drittel des heutigen Strombedarfs für die Heizung benötigt werden. Mit einer Wärmepumpe holt man sich einen Allrounder fürs Brauchwasser, Heizen und Kühlen ins Haus. Sie arbeiten hocheffizient und nutzen die kostenlose Umgebungswärme aus Luft, Grundwasser, Erdwärme, Abwasser, Abwärme etc. Damit holen sie drei- bis viermal so viel Energie heraus, wie sie für den Betrieb benötigt. Anders gesagt: Waren bisher 1.000 Liter Öl – umgerechnet 10.000 Kilowattstunden Strom – nötig, um das Haus zu heizen, so sind es mit einer Wärmepumpe lediglich rund 2.500 Kilowattstunden, da der Rest aus der Umwelt kommt. Mit Blick auf den Trend zur E-Mobilität lohnt es sich doppelt, selbst Strom zu erzeugen. Wird im Sommer die Wärmepumpe zur Kühlung eingesetzt, rechnet sich die Investition in eine Photovoltaik-Anlage noch schneller.

Schlüsseltechnologie Wärmepumpe

Laut EU gilt die Wärmepumpe als Schlüsseltechnologie in der Energie- und Klimastrategie. Für die Wärmewende braucht es jeden Haushalt, aber auch Großgebäude, Kommunen und Industrie. Die Wärmepumpe eignet sich hervorragend, um Energie, die durch Prozesswärme entsteht, wieder zu verwenden. Der Industriebereich ist also ein sehr guter Hebel, um das Erreichen der Klimaziele voranzutreiben. Allerdings müssen dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen, vor allem bei Förderprogrammen, geschaffen werden. Erreicht Österreich die Klimaziele nicht, kommt uns das – in vielerlei Hinsicht - teuer zu stehen.

 

Interview mit Präsident Freimüller zum Thema "Wärmepumpe - Allrounder der Heiztechnik"

 

Dank der aktuellen Diskussion um Energiepreise steigt die Nachfrage nach Wärmepumpen und somit auch ihre Bekanntheit – welches Missverständnis über diese Technologie würden Sie gerne aus dem Weg räumen? Wird die Wärmepumpe ihrem Anspruch als „Allrounder in der Heiztechnik“ Ihrer Meinung nach gerecht?

Was noch wenig bekannt ist: Die Wärmepumpe ist das einzige System, das zur Kühlung von Gebäuden eingesetzt werden kann. Das geschieht, indem der Heizkreislauf umgekehrt wird – entweder über den Fußboden, die Wand oder die Decke im Raum. Dieses Alleinstellungsmerkmal, gemeinsam mit der Erzeugung von Raumwärme, Brauchwassererwärmung, Wärmerückgewinnung und Prozesswärme macht die Wärmepumpe auf jeden Fall zum „Allrounder“. Da praktisch jedes Haus mit einer Wärmepumpe für Heizungs- und Brauchwasser – auch im Altbestand mit Heizkörpern – ausgerüstet werden kann, empfiehlt sich das System sowohl für den Neubau als auch die Sanierung. Es gibt auch Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von Wärmepumpen in Bürogebäuden, mehrgeschossigem Wohnbau sowie in Industrie und Gewerbe. Bereiche, in denen das Potenzial von Wärmepumpen jedoch noch nicht ausreichend genutzt wird.

 

Über die Stärken wird viel berichtet, sehen Sie auch Schwächen? Wo kommt die Technologie an ihre Grenzen?

Bei modernen Heiztechnologien wird der wirtschaftliche Betrieb stark von den Systemtemperaturen beeinflusst. Ist das hydraulische System richtig geplant und ausgeführt, arbeitet die Wärmepumpe höchst effizient. Werden große Wassermengen berücksichtigt und ist der Leitungsdurchmesser richtig dimensioniert, sehe ich keinerlei Schwächen.

 

Welche Wärmepumpen-Technologie entwickelt sich aktuell besonders vielversprechend?

Mit einem Marktanteil von 80 Prozent geht der Trend eindeutig zur Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die Einfachheit der Installation spielt hier - speziell bei der Sanierung – eine Rolle. Diese Technologie kann fast überall eingesetzt werden.

 

Die Branche – auch der Markt für Wärmepumpen - ist mit steigenden Komponenten- und Rohstoffpreisen, Lieferengpässen und Facharbeitermangel konfrontiert – welcher Maßnahmen bedarf es, um aktiv gegenzusteuern?

Viele Installateure sind auf Öl- und Gasheizungen spezialisiert. Hier braucht es dringend Umschulungsangebote, um dem Mangel entgegenzuwirken. Der Verband Wärmepumpe Austria bietet gemeinsam mit dem AIT (Austrian Institute of Technology) Weiterbildungen im Bereich Planung, Errichtung, Inbetriebnahme und Wartung von Wärmepumpen und Klimaanlagen an. Die Lieferketten haben sich schon etwas erholt. Wir werden langsam wieder lieferfähig und Engpässe werden behoben. Wovon wir uns nicht abkoppeln können, ist die Preisentwicklung. Es wird sicher nichts billiger werden, auch nicht bei der Wärmepumpe.

Verbandspräsident Richard Freimüller
Verbandspräsident Richard Freimüller; Foto: WPA

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