Wärmepumpen: Siegeszug mit Hindernissen

Wärmepumpen: Siegeszug mit Hindernissen

Die Heizwende weg von fossilen Brennstoffen ist unbeeindruckt von allen Krisen voll im Gang. In Österreich werden jährlich 100.000 Heizanlagen ausgetauscht oder neu errichtet. Voriges Jahr kam es zum Kippeffekt: Erstmals wurden mehr erneuerbare Heizsysteme installiert als fossile. Als Gamechanger fungiert dabei die Wärmepumpe, von der 50.000 Stück verbaut wurden – ein neuer Rekord, wie Richard Freimüller, Präsident des Branchenverbands Wärmepumpe Austria, sagt. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten bis zum Jahr 2030 jedoch 1,4 Millionen Wärmepumpen arbeiten, aktuell sind es 320.000.


Doch es droht Ungemach aus Brüssel: Die EU plant ab 2025 einen weitgehenden Ausstieg aus synthetischen Kältemitteln inWärmepumpen, Kühlschränken und Klimaanlagen. Diese Fluorkohlenwasserstoffe (F-Gase) sind das Arbeitsmedium bei der Temperaturtransformation und teilweise stark treibhauswirksam (das Global Warming Potential, GWP-Wert, geht bis zu 3850 GWP, bei einem Referenzwert von 1 GWP für CO2). Die F-Gase gehören zur riesigen Gruppe der PFAS-Industriechemikalien (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), die seit den späten 1940er- Jahren hergestellt werden, teilweise hochtoxisch und umweltschädlich sind (sie werden wegen ihrer Langlebigkeit auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt).

PFAS-Substanzen kommen laut Umweltbundesamt in zahllosen Konsumgütern und Fertigungsprozessen vor (Farben, Leder, Outdoorkleidung, Teppiche, Verpackungen, Skiwachs, Boden und Autopflegemittel, Imprägnier- und Schmiermittel). Das EU-Parlament, die Kommission und Industrie verhandeln gerade, wann welche Chemikalien vom Markt verschwinden sollen. Langfristig soll die Branche auf natürliche Kältemittelwie etwa Propan oder Ammoniak umrüsten.

 

Man habe nichts dagegen, meint Herstellersprecher Freimüller. „Aber es geht zu schnell. Es ist übertrieben. Damit wir liefern können, was gefordert wird, braucht es eine Frist bis mindestens 2030“, so Freimüller. Dies hat der Branchenvertreter diese Woche auch bei Umweltministerin Leonore Gewessler deponiert. Außerdem, so Freimüller, befänden sich die Kältemittel in Wärmepumpen in einem geschlossenen System und könnten nicht in die Umwelt emittieren. Was Andreas Klaudus, Vorstand und Inhaber der Österreichischen Gesellschaft der Kältetechnik, so nicht bestätigt: „Die Systeme sind nicht zu 100 Prozent dicht, die Praxis zeigt, sie sind zu 95 Prozent dicht.“ Klaudus schult seit Jahren Lehrlinge, HTL-Schüler und Installateure im praktischen Umgang mit der sich rasant entwickelnden Technologie. Grundsätzlich sei es richtig, toxische und klimaschädliche Chemikalien zu bannen. „Man findet erhöhte Konzentrationen von PFAS Substanzen im Grundwasser, in Böden, im Meer, dort verbleiben sie persistent. Diese Stoffe sollen krebserregend sein. Das zu reglementieren ist gut.“

 

Und die umweltfreundlichere Alternative in Form von Propan-Wärmepumpen? Diese hat erst einen „Marktanteil von zwei bis drei Prozent. Außerdem traut sich noch kein Hersteller, Propan-Wärmepumpen zur Innenaufstellung anzubieten, weil Propan entzündlich ist“, so Klaudus. Dennoch sei die Wärmepumpe das Heizmedium der Zukunft, man müsse die Technik weiterentwickeln. So gibt es bei älteren, kostengünstigen Luft-Wasser-Wärmepumpen (aus China) oftmals laute Vibrationsgeräusche; zudem sind Erdwärmepumpen teure Investitionen von bis zu 60.000 Euro, trotz der Bundesförderung von 7.500 Euro.

Verbandspräsident Richard Freimüller
„Wir brauchen eine längere Frist für den Ausstieg.“
Richard Freimüller, Verbandspräsident Wärmepumpe Austria

In Leogang haben die Hoteliers Renate und Hubert Oberlader ihr Ferienresort 2019 mit einer inzwischen mehrfach preisgekrönten Energieanlage ausgestattet. Das Chaletdorf Priesteregg wird mitsamt Außenpool, Outdoorbadezubern und Personalhaus aus einem Mischsystem aus Geothermie, Luftwärmepumpen, Abwasserwärmepumpen, Eisspeicher, Photovoltaik, Bioflüssiggas und Biomasse versorgt. „Das gibt es in dieser Komplexität in Europa sicher kein zweites Mal“, erklärt Projektleiter Thomas Pesendorfer, Planungsingenieur der Firma Viessmann (das hessische Familienunternehmen mit Standorten in Österreich hat gerade seine Wärmepumpensparte an einen US-Konzern verkauft). Man spare jährlich 250.000 Tonnen CO2-Ausstoß ein, erklärt Inhaber Hubert Oberlader. „Wir sind keine Weltverbesserer, aber wir dachten uns, im Winter in einem 32 Grad warmen Pool im Freien zu baden, das ist schon eine Verschwendung. Das kann man nicht schön reden.“ Das Pilotprojekt entstand, als Oberlader den deutschen Seniorchef Max Viessmann bei einer Biathlon-WMkennenlernte und diesem sagte: „Wir möchten eine neue Wellnesszone, aber wir wollen weniger Energie zuführen als vorher. “Das kostete am Ende des Tages zwei Millionen Euro, „ganz konventionell bei der Bank finanziert, es war wirklich riskant“. Doch nun in der Energiekrise ist man froh „über diese mutige Entscheidung“ (neben Viessmann waren das technische Planungsbüro TAP Zell am See sowie Installateur Hasenauer Saalfelden beteiligt). Das Öko-Wunderwerk wird ständig weiterentwickelt. So bohrte man voriges Jahr 15 weitere Erdlöcher, „weil die effektiver waren als angenommen“ (Oberlader). Überhaupt „die tollste Geschichte“ ist jene mit dem Grauwasser aus Duschen, Pool und Wannen. Das Abwasser gelangt nicht wie üblich in den Fäkalkanal, sondern in ein 17.000-Liter-Becken, wo es auf fünf Grad abgekühlt, energetisch genutzt und erst dann in den Kanal geleitet wird. Man hat dafür zu jedem Chalet einen zweiten Grauwasserkanal gegraben und erzeugt „insgesamt mehr Energie, als wir im Wellnessbereich brauchen“, so Oberlader. Mit Photovoltaik werden die Elektroboiler im Mitarbeiterhaus aufgeheizt und der Strom für die Wärmepumpen erzeugt.

Die Luftpumpen und Erdwärmepumpen schalten sich im Wechselspiel ab. „In der Nacht läuft bei uns Erdwärme,
untertags Luftwärme.“ Das Modell Priesteregg werde bereits „da und dort kopiert“, weiß Projektleiter Pesendorfer. In den stürmischen Markt steigt nun auch der Salzburger Pelletsspezialist Windhager ein. Das Seekirchner Unternehmen errichtet zusammen mit der Firma M-TEC in Pinsdorf bei Gmunden ein Wärmepumpenwerk. „Wir sind im Changeprozess. Wir werden 2024 das Werk eröffnen und 10.000 Wärmepumpen fertigen. Bis zu 300 Mitarbeiter finden eine neue Arbeit“, sagt Marketingleiter Florian Gollob. Und man lanciere auch ein Produkt, um in Zukunft Pumpenmit Propan anbieten zu können.

Copyright 2024 Wärmepumpe Austria