Präsident Freimüller im Interview: "Wärmepumpe - Allrounder der Heiztechnik'

Präsident Freimüller im Interview: "Wärmepumpe - Allrounder der Heiztechnik'"

TGA: Dank der aktuellen Diskussion um Energiepreise steigt die Nachfrage nach Wärmepumpen und somit auch ihre Bekanntheit – welches Missverständnis über diese Technologie würden Sie gerne aus dem Weg räumen? Wird die Wärmepumpe ihrem Anspruch als „Allrounder in der Heiztechnik“ Ihrer Meinung nach gerecht?

Präsident Richard Freimüller: Was noch wenig bekannt ist: Die Wärmepumpe ist das einzige System, das zur Kühlung von Gebäuden eingesetzt werden kann. Das geschieht, indem der Heizkreislauf umgekehrt wird – entweder über den Fußboden, die Wand oder die Decke im Raum. Dieses Alleinstellungsmerkmal, gemeinsam mit der Erzeugung von Raumwärme, Brauchwassererwärmung, Wärmerückgewinnung und Prozesswärme macht die Wärmepumpe auf jeden Fall zum „Allrounder“. Da praktisch jedes Haus mit einer Wärmepumpe für Heizungs- und Brauchwasser – auch im Altbestand mit Heizkörpern – ausgerüstet werden kann, empfiehlt sich das System sowohl für den Neubau als auch die Sanierung. Es gibt auch Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von Wärmepumpen in Bürogebäuden, mehrgeschossigem Wohnbau sowie in Industrie und Gewerbe. Bereiche, in denen das Potenzial von Wärmepumpen jedoch noch nicht ausreichend genutzt wird.

TGA: Über die Stärken wird viel berichtet, sehen Sie auch Schwächen? Wo kommt die Technologie an ihre Grenzen?

Präsident Richard Freimüller: Bei modernen Heiztechnologien wird der wirtschaftliche Betrieb stark von den Systemtemperaturen beeinflusst. Ist das hydraulische System richtig geplant und ausgeführt, arbeitet die Wärmepumpe höchst effizient. Werden große Wassermengen berücksichtigt und ist der Leitungsdurchmesser richtig dimensioniert, sehe ich keinerlei Schwächen.

TGA: Welche Wärmepumpen-Technologie entwickelt sich aktuell besonders vielversprechend?

Präsident Richard Freimüller: Mit einem Marktanteil von 80 Prozent geht der Trend eindeutig zur Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die Einfachheit der Installation spielt hier - speziell bei der Sanierung – eine Rolle. Diese Technologie kann fast überall eingesetzt werden.

TGA: Die Branche – auch der Markt für Wärmepumpen - ist mit steigenden Komponenten- und Rohstoffpreisen, Lieferengpässen und Facharbeitermangel konfrontiert – welcher Maßnahmen bedarf es, um aktiv gegenzusteuern?

Präsident Richard Freimüller: Viele Installateure sind auf Öl- und Gasheizungen spezialisiert. Hier braucht es dringend Umschulungsangebote, um dem Mangel entgegenzuwirken. Der Verband Wärmepumpe Austria bietet gemeinsam mit dem AIT (Austrian Institute of Technology) Weiterbildungen im Bereich Planung, Errichtung, Inbetriebnahme und Wartung von Wärmepumpen und Klimaanlagen an. Die Lieferketten haben sich schon etwas erholt. Wir werden langsam wieder lieferfähig und Engpässe werden behoben. Wovon wir uns nicht abkoppeln können, ist die Preisentwicklung. Es wird sicher nichts billiger werden, auch nicht bei der Wärmepumpe.

Verbandspräsident Richard Freimüller
Verbandspräsident Richard Freimüller; Foto: WPA

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