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Herausforderungen und Chancen

Zwischen Herausforderungen und Chancen
Analyse, Förderungen und politische Forderungen

Die Wärmepumpe hat sich in den letzten Jahren als zentrale Technologie für die Dekarbonisierung des Heizungssektors in Österreich etabliert. Sie gilt als Schlüssel zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 und zur Reduktion der CO₂-Emissionen im Gebäudesektor. Trotz ihres großen Potenzials zeigen die aktuellen Marktzahlen für 2025 ein gemischtes Bild: Chancen und Herausforderungen liegen eng beieinander. Dieser Artikel analysiert die Absatzentwicklung im ersten Halbjahr, vergleicht sie mit den Vorjahren, ordnet die Ursachen ein, beleuchtet die Förderlandschaft und formuliert zentrale Forderungen an die Politik.

Während die Statistik für das erste Quartal 2025 über alle Systeme und Leistungsklassen ein Plus gegenüber Q1/2024 ausgewiesen hat, schlug das Pendel im zweiten Quartal 2025 in die andere Richtung. Mit 8.091 Stück Luft/Wasser-Wärmepumpen aller Leistungsklassen beträgt die Differenz zum Vorjahr minus 28,47 Prozent. Das Plus von 30,75 % bei Brauchwasser-Wärmepumpen kalmiert das Gesamtergebnis. Das Gesamtergebnis für Q 2 / 2025 liegt mit gesamt 13.114 Stück bei einem Minus von 13,40 Prozent gegenüber 2024. Betrachtet man das gesamte erste Halbjahr 2025 ist der Absatz von 25.105 Stück gesamt nahezu ident mit dem Halbjahresabsatz 2024 (25.101 Stück). Damit beträgt der Rückstand, wie auch schon im Vorjahr, rund 30 Prozent zum Jahr 2023. Dem Jahr, in dem der Gesamtheizungsmarkt einen starken Rückgang hinnehmen musste und die Wärmepumpe als absatzstärkste Heiztechnologie Österreichs ebenso davon betroffen war.

Vergleich mit den Vorjahren

Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist stark schwankend. 2021 wurden 38.583 Wärmepumpen verkauft, davon 31.011 Heizungs- und 7.343 Brauchwassergeräte – ein neuer Rekord. 2022 folgte ein sprunghafter Anstieg auf 49.204 Heizungswärmepumpen und insgesamt 60.357 Geräte. 2023 ging das Gesamtergebnis um etwa neun Prozent auf gesamt 54.910 Stück, davon 43.393 Heizungs- und 11.517 Brauchwasser-Wärmepumpen, zurück. Im Jahr 2024 kam es zu einer leichten Erholung: Der Gesamtabsatz von Heiz- und Brauchwasser-Wärmepumpen lag im Vorjahr, über alle Leistungsklassen hinweg, bei 55.130 Stück, davon 45.872 Heizwärmepumpen.

„Viele haben sich zwar für die Förderung registriert, setzen ihre Projekte aber nicht um und die Nachfolgeregelung kommt zu spät. Alternative Heizsysteme wie Pellets rechnen mit einem Minus von 30 Prozent. Wir erwarten für Heizungswärmepumpen bis Jahresende ebenfalls mit einem Rückgang von rund 20 Prozent“, so die Prognose von Richard Freimüller, Präsident Verband Wärmepumpe Austria.

Klimaziele, Kostenrisiken und wirtschaftliche Chancen

Das Erreichen der EU-Klimaziele 2030 ist nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell entscheidend. Eine Studie der Kommunalkredit Public Consulting im Auftrag des Finanzministeriums warnt vor potenziellen Zusatzkosten zwischen 370 Millionen und 5,9 Milliarden Euro, sollte Österreich seine Verpflichtungen verfehlen. Die Spanne hängt stark von der Preisentwicklung und der Verfügbarkeit von Emissionszertifikaten ab.

In einer ohnehin angespannten Budgetsituation hängt diese Strafzahlung wie ein Damoklesschwert über den Planungen. „In einer Zeit, in der die Auswirkungen der Klimakrise immer deutlicher spürbar werden, ist es unsere Verantwortung, entschlossen, faktenbasiert und mit Weitblick zu handeln“, betont Freimüller. Er verweist auf eine Untersuchung des Wegener Centers der Universität Graz im Auftrag des Klima- und Energiefonds, wonach Investitionen in grüne Technologien erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen können.

Jährliche Investitionen von 4,5 Milliarden Euro könnten bis zu 100.000 Arbeitsplätze schaffen und das Bruttoinlandsprodukt um 9,8 Milliarden Euro erhöhen. Diese Investitionen würden in Bereiche Ausbau der Energieerzeugung, die Sanierung von Gebäuden, den Ausbau CO₂-neutraler Verkehrssysteme und die Effizienzsteigerung in der Industrie fließen. Die Studie spricht hierbei von einer "doppelten Dividende": Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Reduktion von CO₂-Emissionen.

Förderlandschaft in Österreich

Die Förderstruktur ist komplex und uneinheitlich. Unterschiedliche Regelungen auf Bundes- und Landesebene erschweren die Planung und Beratung. Die Förderhöhe hängt teilweise von den Klimazielen der Bundesländer ab, was zu einer ungleichen Verteilung führt. Der Verband Wärmepumpe Austria fordert daher eine Harmonisierung der Programme, um die Bürokratie zu reduzieren und die Planungssicherheit für Installateure und Endkunden zu erhöhen.

Bis 2030 sollen jährlich 360 Millionen Euro für den Heizungstausch und Sanierungen bereitstehen, insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Am 3. Oktober 2025 entscheidet die UFI-Kommission über das künftige Fördermodell, das unter anderem die Möglichkeit einer frühzeitigen Registrierung für Auszahlungen im Jahr 2026 einschließen könnte. Angesichts des Bedarfs von 50.000 bis 60.000 Förderfällen pro Jahr würde das derzeit budgetierte Volumen von 300 Millionen Euro jedoch nur etwa 10.000 Fälle abdecken. „Die neue Förderung muss sicherstellen, dass es zu keinen Förder-Reservierungen kommt und damit Fördermittel blockiert werden. Wichtig ist, dass die neue Förderung schnell festgelegt wird, damit der Rückstau beim Heizungstausch im Laufe des verbleibenden Jahres wieder aufgeholt werden kann“, stellt Richard Freimüller klar. Für ihn wird mit der Entscheidung endlich Planungssicherheit für Installateure, Unternehmen und Haushalte geschaffen. Allerdings mit dem Hinweis, dass „die Höhe der Förderung entscheidend ist. Es sollten mindestens 50.000 Heizungen gefördert werden. Bei 30.000 befürchte ich, dass der Topf im Juni ausgeschöpft und die Auslastung der Installateure und Hersteller wieder nicht gegeben ist.“

Politische Rahmenbedingungen und ElWG-Debatte

Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit der Reform des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG). „Leistungspreise und Netzgebühren müssen so gestaltet werden, dass sie die Kombination von Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Elektromobilität nicht unattraktiv machen. Andernfalls drohen finanzielle Nachteile für Nutzer, obwohl diese Technologien entscheidend zur Erreichung der Klimaziele beitragen“, so Freimüller. Zu laufenden Diskussionen wegen der Kreditvergaberegeln und Änderungswünschen bei OIB-Richtlinien merkt der Verbandspräsident kritisch an: „Die Frage ist, ob man alles verhindern will oder ob man versucht, mit den derzeitigen Vorgaben zu arbeiten. Es sollte nicht auf dem Rücken der Baumeister Politik gemacht werden.“

Schulungsinitiative „Praxiswissen Wärmepumpe“

Um den steigenden Bedarf an Fachkräften zu decken, startet der Verband ab Oktober 2025 eine Schulungsoffensive. Ab Herbst 2025 wird mit dem Kurs "Praxiswissen Wärmepumpe" ein zweitägiger Intensivkurs angeboten, der kompaktes Wissen vermittelt, das vor allem realitätsnah und umsetzungsorientiert ist. Die Teilnehmenden erhalten keine theoretischen Informationen, sondern handfeste Beispiele, praktische Tipps und Fallstricke aus dem Alltag.Vermittelt von einem Experten, der selbst aus der Praxis kommt: Charles M. Forstinger, der 25 Jahre Erfahrung aus allen Ebenen des Wärmepumpengeschäfts mitbringt. Gemeinsam mit Richard Freimüller wird in diesem neuen Schulungsprojekt der Fokus auf aktuelle und relevante Themen gerichtet.

Noch mehr Praxisbezug bieten Inhouse-Kurse, welche Bezug auf das direkte Marktumfeld und die eigenen Herausforderungen des Unternehmens nimmt. Konkrete Informationen zu den Schulungsinhalten sowie die Möglichkeit zur Anmeldung für das Kursprogramm ab Herbst finden sich auf der Verbandsseite „Nutzen Sie die geplanten Schulungen, um fit zu bleiben und neue Chancen zu erkennen“, rät Richard Freimüller.

Wärmepumpe als Schlüsseltechnologie

Die Wärmepumpe ist kein Nischenprodukt mehr, sondern ein zentrales Element der Wärmewende in Österreich. Damit die Klimaziele erreichbar bleiben, braucht es:

  • verlässliche Förderungen mit ausreichendem Budget
  • klare und einheitliche Rahmenbedingungen
  • ein regulatorisches Umfeld, das klimafreundliche Technologien stärkt
  • sowie eine konsequente Fachkräftequalifizierung.

„Der jüngste Sachstandsbericht zum Klimawandel und der internationale Indikatorenbericht 2024 führen uns drastisch vor Augen, wie rasch die globale Erwärmung voranschreitet – und wie stark Österreich betroffen ist. Mit einer Temperaturerhöhung von 3,1 °C seit 1900 liegen wir weit über dem globalen Schnitt. Doch die Wissenschaft liefert nicht nur alarmierende Zahlen, sondern auch klare Handlungsoptionen: Wir müssen raus aus den fossilen Energien – rasch, vollständig und sozial ausgewogen. Die Wärmepumpe ist dabei der zentrale Schlüssel – eine klimafreundliche, kosten- und effiziente und zukunftsfähige Technologie, die jetzt verstärkt zum Einsatz kommen muss“, betont Richard Freimüller.

Der Verband Wärmepumpe Austria wird diese Anliegen weiter in Politik und Öffentlichkeit vertreten, Installateure und Planer praxisnah unterstützen und durch Weiterbildung die Wärmewende in Österreich voranbringen.

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