"Diese Entwicklung ist keine Trendwende. Sie ist vor allem Ausdruck einer fehlenden Planungssicherheit."
Die Wärmepumpe hat sich in Österreich als zentrale Technologie der Energiewende etabliert. Dennoch steht der Markt derzeit unter Druck. Im ersten Halbjahr 2026 wurden um 26,19 Prozent weniger Wärmepumpen verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Wird der Bereich der Brauchwasser-Wärmepumpen miteinbezogen, beträgt der Rückgang insgesamt 26,45 Prozent. Das zweite Quartal zeigt zwar eine etwas geringere, aber weiterhin deutliche Marktschwäche.
"Diese Entwicklung ist keine Trendwende. Sie ist vor allem Ausdruck einer fehlenden Planungssicherheit."
Wenn Förderprogramme kurzfristig starten, verändert werden oder bereits zur Jahresmitte ausgeschöpft sind, führt das bei Endkunden und Betrieben zu Zurückhaltung. Mit Blick auf 14.400 verkaufte Wärmepumpen – plus 3.597 Brauchwasser-Wärmepumpen - im ersten Halbjahr 2026 hoffen wir, am Ende des Jahres auf rund 30.000 verkaufte Wärmepumpen zu kommen. Was ein neuerliches Minus bedeuten würde.
Gleichzeitig zeigt der Neubau, dass Wärmepumpen grundsätzlich auch ohne staatliche Förderung wettbewerbsfähig sind. Dort liegt ihr Marktanteil konstant bei rund 80 Prozent. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die Technologie langfristig ohne Förderung bestehen kann. Sie wird bestehen. Entscheidend ist vielmehr, ob die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass auch der notwendige Heizungstausch im Gebäudebestand kontinuierlich vorankommt.
Für die Jahre 2026 bis 2030 wurden jährlich insgesamt 360 Millionen Euro für die Sanierungsoffensive vorgesehen. Diesen Topf mussten sich Heizung und Gebäudehülle teilen. Die Mittel für 2026 waren bereits am 1. Juli ausgeschöpft. Nun wurden getrennte Budgets festgelegt, d.h. 179 Millionen Euro für den Kesseltausch.
"Das ist grundsätzlich ein wichtiger Schritt. Doch der Förderrahmen allein reicht nicht aus. Er muss auch ausreichend dotiert, langfristig angelegt und verlässlich abrufbar sein. Nur so können Haushalte, Installationsbetriebe und Hersteller planen.
Am 7. Oktober tritt die UFI-Kommission zusammen – danach sollte klar sein, welche Förderungen es in Österreich gibt."
Allerdings sollte die Diskussion nicht auf Förderungen verkürzt werden. Es geht um eine grundsätzliche strategische Entscheidung: Wollen wir unsere Wärmeversorgung weiterhin von importierten Energieträgern und den Preisentscheidungen internationaler Märkte abhängig machen? Oder nutzen wir die Möglichkeiten, die uns erneuerbare Energien und hocheffiziente Wärmepumpensysteme bieten?
Die Wärmepumpe kann einen wesentlichen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit leisten. Sie nutzt Umweltwärme und benötigt dafür vergleichsweise wenig elektrische Energie. Selbst wenn die Strompreise im Winter steigen sollten, wirkt sich das aufgrund des hohen Wirkungsgrads weniger stark auf die laufenden Kosten aus als bei weniger effizienten Systemen. Zudem liefert auch eine Photovoltaikanlage im Winter Energie. In Verbindung mit einem intelligenten Energiemanagement kann Solarstrom gezielt für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt werden.
Kommunikationsstandards wie EEBus ermöglichen es, Wärmepumpe und PV-Anlage aufeinander abzustimmen. Das erhöht den Eigenverbrauch, reduziert den Bezug aus dem Netz und verbessert die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems.
Auch die Kühlfunktion – ein USP der Wärmepumpe - verdient mehr Aufmerksamkeit.
"Viele Wärmepumpen können nicht nur effizient heizen, sondern im Sommer auch zur Raumkühlung beitragen. Diese Möglichkeit ist vielen bestehenden und potenziellen Kunden noch zu wenig bekannt. InstallateurInnen können hier ansetzen und EigentümerInnen, deren Wärmepumpe bereits in Betrieb ist, gezielt über eine mögliche Nachrüstung oder Erweiterung informieren.
Auch in der Aus- und Weiterbildung schenken wir diesem Thema mehr Aufmerksamkeit."
Die aktuelle Marktschwäche darf nicht dazu führen, dass die Wärmepumpe aus dem Zentrum der energiepolitischen Diskussion rückt. Im Gegenteil: Gerade in Zeiten unsicherer Energiepreise und geopolitischer Abhängigkeiten braucht es eine klare Strategie. Dazu gehören verlässliche Förderbedingungen, eine qualitätsvolle Planung und Ausführung sowie eine umfassende Information der KundInnen. Das betrifft auch die Möglichkeit, mit der Wärmepumpe auch zu kühlen. Ebenso wichtig ist es, mit hartnäckigen Fehlannahmen aufzuräumen – beispielsweise, dass Heizkörper ein grundsätzliches Ausschlusskriterium für den Einsatz einer Wärmepumpe sind oder dass die Kühlfunktion zu Schäden am Estrich führt.
Die Wärmepumpe ist kein „Plug-and-Play“-Produkt, sondern Teil eines Gesamtsystems aus Gebäude, Wärmeabgabe, Regelung, Stromversorgung und Energiemanagement. Wenn alle Komponenten korrekt installiert und eingerichtet werden und richtig zusammenspielen, sinken die Betriebskosten und steigt die Unabhängigkeit von externen Preisentwicklungen.
Die Wärmepumpe ist damit nicht nur ein Heizsystem. Sie ist ein zentraler Baustein für eine resilientere und stärker auf heimischen Energien beruhende Wärmeversorgung.
zählt zu den Experten der österreichischen Wärmepumpenbranche, mit jahrzehntelanger Erfahrung in Energie, Vertrieb und Interessensvertretung.
Ob Experteninterview, Hintergrundgespräch oder aktuelle Fragen rund um die Wärmepumpe – Präsident Richard Freimüller steht gerne zur Verfügung.
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme:
Maria Gabriel, Tel: +43 732 600 300-70
Mail: gabriel@waermepumpe-austria.at