Der Langzeit-Lobbyist | buildingTimes

Der Langzeit-Lobbyist

Es ist eher unüblich, Branchenvertreter an ihrem privaten Wohnsitz zum Interview zu besuchen. Bei Richard Freimüller, dem Präsidenten von Wärmepumpe Austria, ist das stimmig. Er ist nicht mehr aktiv im Geschäft und dennoch stets präsent. Und das mit einer Ruhe und Gelassenheit, auf die man nicht alle Tage trifft. Mit Blick auf den Schwimmteich und die Kuhweide bringt er die Interessen seiner Mitglieder auf den Punkt. Und das stets bemüht um den Ausgleich, denn eines mag er gar nicht: Eigensinnigkeit. „Man muss ausgleichend sein, jeder hat sein Geschäft, wenn ein Mitglied zu eigensinnig wird, muss man es bremsen“, so sein Credo. Eine Haltung, die aufgehen dürfte, denn Freimüller ist seit elf Jahren Präsident von Wärmepumpe Austria. Der Verein wurde damals neu gegründet, nachdem sich zuvor zwei Wärmepumpen-Verbände gegenseitig nicht nur Nettigkeiten ausgerichtet hatten. Der gelernte Elektriker hat es seither geschafft, dass die Branche zumindest in wesentlichen Dingen an einem Strang zieht. Einfach ist das nicht immer, denn am Ende zählen für jedes Mitglied doch die eigenen Interessen. Und die sind mitunter anders gelagert als beim Marktbegleiter. Die Struktur der Mitglieder ist recht unterschiedlich. Da gibt es heimische Purist:innen, die seit jeher nur Wärmepumpen bauen und vertreiben. Dann gibt es große Player aus dem Öl- und Gas-Kessel-Business, die verstärkt und mit Erfolg die Wärmepumpe pushen. Und dann gibt es noch die asiatischen Multis, die über die Stückzahlen europäischer Mitbewerber:innen nur müde lächeln. Und dann sind neuerdings auch die Vertreter:innen der Biomasse auf den Zug aufgesprungen. Aus diesem Gemenge ergibt sich alles andere als eine Homogenität, die es zu managen gilt.

Freimüller ist 73 Jahre alt und im Schnitt an drei Tagen in der Woche unterwegs. Er tauscht sich mit Verbänden in Deutschland und der Schweiz aus, er besucht Mitglieder und er sorgt mit seinem Netzwerk für die entsprechende Präsenz der Branche, wenn es darum geht, die Karten im Förderregime neu zu mischen. Und natürlich hält er auch laufend Vorträge bei Bauträger:innen, Planer:innen und Installateur:innen, um die Wärmepumpe verstärkt zu positionieren. All das klingt mehr nach einem Vollzeit-Job als nach einem Spaziergang von einem Buffet zum nächsten. Wenn im kommenden Jahr die Generalversammlung des Verbands stattfindet, wird Freimüller dennoch erneut kandidieren – einerseits, weil es ihm Spaß macht und andererseits, weil potenzielle Kandidat:innen für das Präsidentenamt rar sind.

Freimüller ist ein Urgestein des Wärmepumpengeschäfts. Er hat sich 15 Jahre lang bei Vaillant um diese Sparte bemüht und die letzten 20 Jahre seiner Berufslaufbahn für Dimplex Wärmepumpen stark gemacht, was damals nicht immer einfach war. Es gab und gibt stets Widerstände von allen möglichen Seiten. Vieles davon hat sich in Luft aufgelöst, die Wärmepumpe hat inzwischen einige der früheren Kritiker:innen überzeugt. Auch viele Installateur:innen hätten sich inzwischen umgestellt und ihre Lektion gelernt, weiß Freimüller. Nicht ganz so euphorisch klingt er, wenn man ihn auf die Innung anspricht. Führende Köpfe seien zu sehr in der Vergangenheit und in der Gastechnologie verhaftet, meint Freimüller. Ebenso wenig gefällt ihm der viel gepriesene Ansatz der „Technologieoffenheit“. „Es gibt einfach Technologien, die nicht mehr in unsere Zeit passen“, sagt er. Und was die von manchen Heizungsanbietern angebotenen Hybridlösungen betrifft, ist er auch skeptisch. Er versteht partout nicht, warum sich Eigenheimbesitzer:innen für einige, wenige wirklich kalte Tage im Jahr ein Back-up aus Pellets oder Gas installieren sollen. Mit solchen Lösungen laufe man Gefahr Kund:innen zu enttäuschen, weil sich das hohe Investment niemals rechne, glaubt Freimüller.

Auch wenn der Markt derzeit ganz klar für die Wärmepumpe spricht, ist der Oberösterreicher nicht nur happy. Und das liegt auch an der Politik, speziell an den Verzögerungen beim Erneuerbaren Wärme-Gesetz. Wenn die Türkis-Grüne-Regierung das Gesetz nicht durchbringt, kann der üble Dämpfer ganz schnell kommen, fürchtet er. Nämlich dann, wenn die FPÖ an einer künftigen Regierung beteiligt ist. Dann würde dem Klimaschutz weniger Augenmerk geschenkt werden, vermutet Freimüller nicht unbegründet. Sollte das Gesetz noch kommen, dann können seine Mitglieder kräftig anstoßen und auf zwei oder drei Jahrzehnte Förderung zählen, was bekanntlich auch der ÖVP nicht wirklich schmeckt. Letztlich entscheidet das Fördergeld aber darüber, ob die Heizung umgestellt wird oder nicht. Es sei denn, es kommt erneut zu einer Preisexplosion beim Gas, die aber derzeit nicht in Sicht ist. Freimüller selbst wird die Entwicklung aus der ersten Reihe mitverfolgen.

Building Times: Herr Freimüller, Sie waren mehr als zwei Jahrzehnte im Vertrieb von Wärmepumpen. Einen Boom wie jetzt haben Sie selbst nicht mitgemacht.
Richard Freimüller: Das stimmt, ich war ab 1995 im Vertrieb von Wärmepumpen. Das war am Anfang eine sehr anstrengende Sache, eigentlich eine Durststrecke. Ich war zu Beginn bei Vaillant und sollte dort den Verkauf von Wärmepumpen forcieren, das war sehr schwierig, denn es war ja das günstige Gas vorhanden.


BT: Wann hat es gedreht?
Freimüller: Wir meinen, dass das EHPA-Gütesiegel, das 1998 für Deutschland, Österreich und die Schweiz geschaffen wurde, letztlich den Ausschlag gegeben hat, die Wärmepumpe langsam zu etablieren. Um das Jahr 2000 herum wurden dann erstmals mehr Heizungswärmepumpen verkauft als Brauchwasserwärmepumpen. Danach gab es viele Jahre mit Steigerungen um die 20 Prozent. Die zuletzt verzeichneten Steigerungen lagen bei 60 Prozent, das hätte ich so nicht erwartet.

BT: Beneiden Sie Ihre jüngeren Kolleg:innen um die Provisionen, die sie ganz ohne große Mühe abschöpfen?
Freimüller: Ich beneide sie nicht. Ich versuche den Kolleg:innen und auch den Herstellern zu vermitteln, dass wir aufpassen müssen. Wir dürfen den Kundendienst nicht vernachlässigen und wir müssen auf die Qualität achten.

BT: Die gestiegenen Pelletspreise haben den Kesselherstellern ihre Grenzen gezeigt. Trifft das mit den Strompreisen auch auf Wärmepumpen zu?
Freimüller: Ich denke nicht, weil die Wärmepumpe immer noch das Günstigste ist. Wichtig ist, dass man weiterhin darauf achtet, dass die Qualität passt.

BT: Von der Kesselindustrie wird vielfach die Hybridtechnologie als zukunftsfähig bezeichnet. Braucht eine Wärmepumpe
an sehr kalten Tagen unbedingt ein Zweitsystem?
Freimüller: Meines Wissens sind bei einigen der bislang verbauten Systeme die Pelletskessel sehr wenig in Betrieb. Damit stellt sich natürlich die Frage, ob das wirklich sein muss. Solche Hybridlösungen sind ja nicht gerade billig. Ich persönlich halte diese Lösung nicht für massentauglich.

BT: In Deutschland installiert ein großer Wohnbauträger als Gasthermenersatz japanische Luft-Luft-Wärmepumpen. Wird
das auch hierzulande kommen?
Freimüller: Man sollte nie nie sagen. Ich bin der Meinung, dass wir in Österreich keine Luftheizung wollen. Wir haben das
ja vielfach in Hotels und nicht selten sind diese Anlagen – zumindest für mich – ein Ärgernis. Aber mir ist bewusst, dass
manche Liegenschaftseigentümer in diese Richtung gehen, weil es einfach ist und vermutlich auch günstiger ist.

BT: Wie hoch ist der Anteil an wassergeführten Systemen derzeit?
Freimüller: In der DACH-Region liegen wir irgendwo bei 90 Prozent. Ich denke, dass es schwierig ist, diese zufriedenen Nutzer:innen so schnell für eine Luftheizung zu begeistern.

BT: Den Zinshausbesitzer:innen, die günstig weg wollen vom Gas, kann es aber auch ein wenig egal sein, wie ihre Mieter:innen sich fühlen.
Freimüller: Da ist hierzulande noch viel in der Schwebe, auch in gesetzlicher Hinsicht. Die ersten Entwicklungen des AIT
und der Firma Ochsner, mit kleinen, in den Wohnungen positionierten, Modulwärmepumpen mit einer Leistung von 2 bis 7 kW, sind am Laufen. Die werden dann über eine Tiefenbohrung oder über eine zentrale Luftwärmepumpe auf dem Dach versorgt. Auch Vaillant hat ein ähnliches Projekt in Tirol realisiert und Daikin hat ebenfalls etwas im Köcher. Alle Hersteller suchen nach Lösungen. Ich möchte keines unserer Mitglieder hervorheben. Das Problem bei diesen Dingen ist einfach der Preis.

BT: Bis wann können diese Konzepte, ihrer Meinung nach. in die breite Anwendung kommen?
Freimüller: Es wird jetzt schon einiges gemacht. Alle Bauträger und Genossenschaften suchen nach Lösungen, bei denen der Eingriff in den Wohnungen selbst möglichst gering ist. Um wirklich in die Gänge zu kommen, braucht es aber das Erneuerbaren Wärme Gesetz so dringend. Das würde den Absatz für die nächsten 20 oder 30 Jahre sichern und den Übergang von fossilen Energieträgern beschleunigen.

BT: Beim EWG sieht es aber nicht nach baldigem Beschluss aus?
Freimüller: Leider. Und es steht zu befürchten, dass das in dieser Legislaturperiode nicht mehr zustande kommt.

BT: Denken Sie, dass die FPÖ im Fall einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene den Umstieg auf Erneuerbare bremsen könnte?
Freimüller: Vermutlich ja, bislang deutet nichts darauf hin, dass diese Transformation der FPÖ wichtig wäre. Das ist aber
generell ein Problem in Österreich, dass wir Probleme gerne verdrängen.

BT: Mit der Raus-aus-Öl-Förderung haben Heizungsindustrie und Installationsbetriebe einen gewaltigen Turbo erhalten.
Vergleichsweise wenig Fördergeld fließt in die thermische Sanierung. Ist das nicht irgendwie verkehrt herum? Sollte man
nicht zuerst schauen, dass wenig Energie verbraucht wird und dann das Heizsystem danach auslegen?
Freimüller: Das hat was für sich. Wenn wir aber darauf warten, dass die Häuser gedämmt werden, schaffen wir gar keinen Beitrag zum Klimaschutz. Wir haben seit vielen Jahren eine sehr niedrige Sanierungsquote, eine rapide Steigerung ist schwer vorstellbar, weil die Fachkräfte dazu fehlen.

BT: Das könnte sich ändern, wenn der Neubau so dramatisch einbricht, wie prognostiziert.
Freimüller: Ja, vielleicht. Ich meine aber, dass die von den Energiesparverbänden forcierte übermäßige Dämmung uns nicht gut bekommen ist, weil das Wohnklima unter einer übermäßigen Dämmung leidet.

BT: Das heißt, Sie lehnen die Dämmung ab?
Freimüller: Nein, mit Maß und Ziel ist das schon sinnvoll. Ich bin nicht dagegen, dass die Häuser saniert werden. Der
Vorteil einer modernen Wärmepumpe liegt ja auch darin, dass sie sich mit ihrer Leistung anpasst.

BT: Die hohe Nachfrage überfordert manche Installateure, weil das Wissen nicht mit den vorhandenen Aufträgen Schritt gehalten hat. Kann dadurch Schaden für die Branche entstehen?
Freimüller: Unsere aktuellen Zahlen zeigen, dass das 1. Quartal noch sehr stark war. Da dürften aber noch Nachzieheffekte mitwirken, weil Geräte installiert werden, die schon 2022 bestellt wurden. Aktuell deutet einiges darauf hin, dass die Kurve abflacht und sich auf hohem Niveau einpendelt. Wie man hört, gibt es derzeit auch wieder Termine bei Energieberater:innen.

BT: Wie stellt sich die Liefersituation im Moment dar?
Freimüller: Der Großteil der Hersteller kann liefern, bei einigen gibt es aber noch Probleme. Hier ist Umsicht angebracht. Es ist nicht vertrauenserweckend, wenn Liefertermine verschoben werden, aber zugleich Preiserhöhungen geltend gemacht werden.

BT: Die überwiegende Mehrheit der aktuell verbauten Wärmepumpen entfällt auf das Segment Luft-Wärmepumpe. Ist das tatsächlich sinnvoll?
Freimüller: Derzeit liegt der Anteil bei rund 90 Prozent. Und ja, es ist sinnvoll und das auch in der Sanierung. Die Lösung funktioniert und ist anerkannt. Nebenbei bemerkt ist mir ist aufgefallen, dass junge Branchenvertreter:innen im Großhandel gar nicht mehr an eine andere Lösung denken.

BT: Den Strom für die zunehmend steigende Gebäudekühlung im Sommer erneuerbar zu erzeugen, erscheint mit
entsprechend viel PV vergleichsweise einfach. Wo soll die elektrische Energie für die Wärmeerzeugung künftig herkommen?
Freimüller: Man muss etwas tun. Es gibt eine Studie der TU-Wien, aus der hervorgeht, dass mit der Etablierung der Wärmepumpe konventionelle Elektroheizungen, Boiler und Untertischspeicher eliminiert werden können. Das würde immense Strommengen einsparen und den Betrieb von 1,3 Millionen Wärmepumpen ermöglichen.

BT: Sie meinen also, dass die Klassiker in Bad und Küche weichen müssen?
Freimüller: Ja, wir müssen diese Geräte reduzieren, über diese Thematik traut sich aber derzeit politisch niemand drüber. In Summe würde man mit einer Umstellung rund 30 Prozent weniger elektrische Energie verbrauchen.

BT: Die asiatischen Hersteller sind in Europa auf dem Vormarsch und investieren kräftig in neue Werke. Hat Europas Industrie da etwas verschlafen oder ist sie einfach zu kleinteilig?
Freimüller: Ja und nein. Die Firma Dimplex, in der ich früher gearbeitet habe, war damals nicht klein, heute ist sie es, weil die anderen so stark gewachsen sind und weiter investieren. Daikin möchte in Europa künftig eine Million Wärmepumpen pro Jahr bauen, Vaillant errichtet in der Slowakei ein Werk für 300.000 Einheiten. Für manche
der heutigen kleinen Hersteller werden Nischen bleiben, den Massenmarkt bedienen aber andere.

BT: Das deutsche Familienunternehmen Viessmann hat soeben sein Wärmepumpenbusiness in die USA verkauft. Wie
lange werden kleine und mittelständische Wärmepumpenhersteller in Europa überleben können?
Freimüller: Wenn nicht ein wirksamer Schutz gegen die Billigprodukte etabliert wird, sehe ich da wenig Chancen. Hersteller, die Wärmepumpen um zwei- oder dreitausend Euro auf den Markt bringen, werden auch keine Förderung benötigen. Wenn die Stückzahlen in der Zukunft in Europa sich so entwickeln, wie prognostiziert, werden die Preise allgemein sinken. Ob dann noch alle Anbieter:innen mitkönnen, wird man sehen.

BT: Sie meinen, Europa sollte sich gegen asiatische Anbieter abschotten?
Freimüller: Nein, wenn die Mindestanforderungen der Geräte gegeben ist, sollte die Förderung auch für sie gelten.

BT: Das heißt, es wird eine Konsolidierung geben?
Freimüller: Vermutlich ja.

BT: Was könnten die europäischen Hersteller tun, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben?
Freimüller: Sie sollten Allianzen bilden und sich fokussieren. Das Forcieren von Hybridlösungen mit Gas, wie es einige der Multis präferieren, zähle ich nicht dazu. Es war klar, dass der Boom Hersteller aus dem asiatischen Raum, auch chinesische Anbieter anzieht. Wir haben hier mit dem EHPA-Gütesiegel ein gutes Instrument, um unsere Qualität zu schützen. Ich bin dagegen, dass wir Marktteilnehmer ausschließen. Ich bin aber dafür, dass wir unsere Qualität als Voraussetzung für das Teilnehmen am Markt verlangen.

BT: In der Steiermark gibt es nach Angaben des Landes hunderte Beschwerden über Brummtöne. Kann es sein, dass
Wärmepumpen unangenehm brummen, obwohl sie die vom Gesetz geforderten Lärmgrenzen deutlich unterschreiten?
Freimüller: Dass es hunderte Beschwerden gibt, kann ich mir nicht vorstellen. Und dass Heizungswärmepumpen dafür
verantwortlich sind, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Unsere Geräte werden auf Schallemissionen geprüft. Nicht geprüft werden hingegen Pool-Wärmepumpen. Von denen sind landesweit tausende installiert und bei diesen Geräten gibt es so gut wie keine Überprüfung auf Lärmemissionen.

BT: Erfasst die genannte Prüfung auch das Brummen?
Freimüller: Die Prüfung bezieht sich auf den von den Ventilatoren ausgehenden Schall. Das Brummen kommt häufig von
den Kompressoren. Das kommt fallweise auch bei fehlerhaften Heizungswärmepumpen vor. Da gibt es aber Abhilfe, wenn das Gerät zu stark vibriert, sollte der Kompressor getauscht werden.

BT: Das heißt, Sie orten das Böse bei den Pools?
Freimüller: Es wird gerade geprüft und ich warte darauf, dass jemand feststellt, dass es nicht die Heizungswärmepumpen sind.

BT: Aus Deutschland gibt es vom Wohnbauträger Vonovia Berichte, dass rund 70 bereits installierte Wärmepumpen nicht in Betrieb genommen werden können, weil die vorhandene Netzkapazität der Stromversorger zu gering ist. Erwartet uns das auch hierzulande?
Freimüller: Momentan höre ich von der Netzseite häufig, dass der Anschluss einer Photovoltaikanlage nicht möglich ist. Vereinzelt gibt es auch Fälle, in denen Wärmepumpen aus Gründen der Stromversorgung abgelehnt werden.

BT: Wie wird das dann, wenn viel mehr Wärmepumpen installiert werden?
Freimüller: Ich denke, dass wir mit Smart Grid-Funktionen, die Sache in den Griff kriegen. Seit Jänner 2023 ist diese Funktion bei Wärmepumpen Pflicht. Das heißt, dass der Netzbetreiber auf die Wärmepumpe zugreifen kann und im Bedarfsfall das Gerät vorübergehend vom Netz nehmen kann.

BT: Haben die europäischen Hersteller alle diese Funktion und funktioniert das System schon?
Freimüller: Die Funktion in den Geräten ist da, jetzt geht es darum, noch zu klären, welche Regelungen und Schnittstellen man benötigt. Dazu arbeiten in der Schweiz einige begnadete Techniker, um möglichst praktikable Lösungen zu finden. Wichtig ist, dass auch die jeweiligen Hersteller diese Zukunftsthemen aufgreifen.

BT: Kann man die Wärmepumpe guten Gewissens in der Altbausanierung empfehlen?
Freimüller: Ja, das ist überhaupt kein Problem.

BT: Wo darf der Heizwärmebedarf liegen, dass es noch Sinn macht?
Freimüller: Dazu gibt es Ergebnisse vom Fraunhofer-Institut, das dazu eine Studie mit unterschiedlichen Häusern gemacht hat. Da war ein Gebäude mit einem HWB von 255, dort erreichte die Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3. Das verblüffende an der Wärmepumpe ist, dass sich das Heizverhalten ändert. Wenn die Heiztemperatur gleichmäßig gehalten wird, kann das System mit einer bis zu zehn Grad geringeren Vorlauftemperatur betrieben werden.

BT: Das heißt, es funktioniert auch mit Heizkörpern?
Freimüller: Ja, mitunter braucht es vielleicht größere Radiatoren. Und es gibt so viele Innovationen, wie Fußbodenheizungen mit sehr geringer Aufbauhöhe. Was zunehmend kommt, sind auch rasch zu installierende Deckenheizungen, Und natürlich auch die Betonkernaktivierung, die im Neubau ohnehin verstärkt kommt.

 

Verbandspräsident Richard Freimüller im Interview mit buildingTimes
Verbandspräsident Richard Freimüller im Interview mit buildingTimes, Foto: buildingTimes

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