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Aktuelle Entwicklungen des Klima

Zweiter Österreichischer Sachstandsbericht zum Klimawandel und
Indikatoren des globalen Klimawandels 2024

Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel

Mehr als 200 ForscherInnen aus über 50 Institutionen haben, über drei Jahre an einem interdisziplinären Bericht gearbeitet – finanziert durch den Klima- und Energiefonds mit Mitteln des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Die Ergebnisse des zweiten Sachstandsberichts zum Klimawandel sind deutlich:

  1. Die Temperatur in Österreich ist seit 1900 um rund 3,1 °C gestiegen – mehr als doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt.
  2. Extremwetterereignisse wie Hitze, Dürre, Starkregen und Muren nehmen zu – mit erheblichen Folgen für Gesundheit, Infrastruktur, Landwirtschaft und Tourismus.
  3. Vorsorgender Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen sind auf lange Sicht deutlich kostengünstiger als die Bewältigung der Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden.

„Der Klimawandel ist längst bei uns angekommen – und er betrifft unser aller Leben. Mit dem neuen Klimasachstandsbericht halten wir jetzt ein wissenschaftliches Fundament in Händen, das zeigt, wie tiefgreifend die Veränderungen in Österreich bereits sind – aber auch, wie viele Möglichkeiten wir haben, gegenzusteuern. Die Zahlen sind eindeutig, aber sie sind kein Grund zur Resignation, sondern ein klarer Auftrag zum Handeln“, sagt Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig.

Der Bericht ist mehr als ein wissenschaftliches Werk – er zeigt auch Werkzeuge und Lösungsansätze auf. Wenn wir die richtigen umwelt- und klimapolitischen Weichen stellen, können wir unsere Heimat schützen, unsere Wirtschaft zukunftsfit machen und die Lebensqualität für kommende Generationen sichern. Ich danke allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die diesen Bericht erarbeitet haben. Sie liefern damit nicht nur Fakten, sondern Orientierung – für Politik, Wirtschaft und jede und jeden Einzelnen von uns. Jetzt liegt es an uns, diese Verantwortung gemeinsam zu übernehmen.

Österreich vom Klimawandel besonders betroffen

Österreich ist vom Klimawandel besonders betroffen, Risiken und Auswirkungen nehmen mit fortschreitender Erwärmung zu. „Die Folgen der Klimakrise gefährden unseren Wohlstand und verschärfen auch hierzulande soziale Ungleichheiten. Der Bericht zeigt vielfältige Handlungsoptionen auf und betont, dass realistische, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Wege hin zur Klimaneutralität vorhanden sind. Es gibt eine Fülle von Handlungsoptionen, aber sie müssen jetzt rasch genutzt werden“, sagt Margreth Keiler, Direktorin des Instituts für interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Professorin an der Universität Innsbruck, die Co-Vorsitzende des Sachstandsberichts.

Klimaziele sind erreichbar – durch rasches Handeln

Österreichs Treibhausgasemissionen sind in den vergangenen Jahren gesunken, im internationalen Vergleich sind die Pro-Kopf-Emissionen weiterhin hoch sind: Die derzeit umgesetzten Maßnahmen sind ein Schritt in die richtige Richtung, sie sind jedoch nicht ausreichend, um das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2040 zu erreichen. Wenn keine weiteren Maßnahmen gesetzt werden, beträgt die Reduktionslücke im Jahr 2030 bis zu 10 Megatonnen CO₂-Äquivalente, um die mit der EU vereinbarten Ziele zu erreichen.

Österreich kann die Emissionsreduktionsziele durch zusätzliche Maßnahmen aber erreichen, sind sich die AutorInnen des Berichts einig. Österreichs verbleibendes Kohlenstoff-Budget, das sich aus den Zielen des Pariser Klimaübereinkommens ergibt, ist weitgehend ausgeschöpft. „Durch seinen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele wird Österreich auch seiner internationalen Verpflichtung gerecht. Unser Bericht zeigt die Synergien zwischen Emissionsreduktion, Anpassung und nachhaltiger Entwicklung”, so Riahi.

Transformation als Chance | Alle Sektoren sind gefordert

Zur Erreichung der Klimaziele müssen rasch weitere wirksame Maßnahmen umgesetzt werden. Zentrale Hebel sind der vollständige Ausstieg aus fossilen Energieträgern, die rasche Elektrifizierung von Industrie, Mobilität und Wärmeversorgung, und ein gesellschaftlich getragener Fokus auf einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Diese Maßnahmen sind nicht nur für den Klimaschutz wichtig, sie senken auch Österreichs Abhängigkeit von Energieimporten und reduzieren damit die Vulnerabilität gegen globale Preisschocks von Öl und Gas.

Der Bericht zeigt Synergien in vielen gesellschaftlichen Bereichen auf. Etwa durch den Ausbau von öffentlichem Verkehr und Radinfrastruktur, die Sanierung von Gebäuden, Umstieg auf klimafreundliche Wärmeversorgung, Begrünung von Städten als Maßnahme gegen Hitzeinseln, den Schutz von Feuchtgebieten, klimafreundliche Ernährung sowie eine aktive Anpassung in Tourismus und Landwirtschaft. Für alle Maßnahmenbündel ist eine rasche, tiefgreifende und sektorübergreifende Umsetzung entscheidend. Denn, je länger die Umsetzung aufgeschoben wird, umso kleiner wird der verbleibende Handlungsspielraum und umso wahrscheinlicher werden Grenzen der Anpassung erreicht.

Der Klimasachstandsbericht zeigt klar: Wir müssen viele verschiedene Werkzeuge nutzen, um unser Klimaziele zu erreichen. Der Bericht liefert dafür die wissenschaftliche Grundlage. Jetzt geht es darum, Maßnahmen umzusetzen, die wirken – technologisch, wirtschaftlich, sozial und nachhaltig.

Links:
Zweiter Österreichischer Sachstandsbericht zum Klimawandel
Margreth Keiler, ÖAW 

 

Indikatoren des globalen Klimawandels 2024

Der Bericht zeigt deutlich: Die globale Erwärmung schreitet beschleunigt voran, menschliche Einflüsse dominieren, und das verbleibende CO₂-Budget schmilzt rasch. Konsequente Emissionsreduktionen, der schnelle Ausbau kohlenstofffreier Technologien (z. B. Wärmepumpen), Reduktion von Methanemissionen und der Schutz natürlicher Kohlenstoffsenken sind zwingend notwendig, um das 1,5 °C-Ziel erreichbar zu halten.

Am 19 Juni 2025 wurden der Bericht Indikatoren des globalen Klimawandels 2024 veröffentlicht, die zentralen Messgrößen zur Entwicklung des Klimasystems und zur Wirkung menschlicher Aktivitäten aufzeigt. Er stützt sich auf Methoden des IPCC Sechsten Sachstandsberichts (AR6) und ergänzt diese um aktuelle Beobachtungsdaten, unter anderem zur Erwärmung, Treibhausgasemissionen, Strahlungsantrieb, dem Energieungleichgewicht der Erde, Niederschlagsveränderungen und dem Meeresspiegelanstieg.

Menschgemachte Erwärmung und Emissionen

Im Zeitraum 2015–2024 lag die globale Erwärmung bei 1,24 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau (1850–1900), wobei 1,22 °C davon menschlichen Einflüssen zugeschrieben werden. Der Anstieg ist damit schneller als je zuvor seit Beginn instrumenteller Aufzeichnungen: Die vom Menschen verursachte Erwärmung beträgt 0,27 °C pro Dekade. Das Jahr 2024 war das wärmste je gemessene Kalenderjahr mit einem Durchschnitt von 1,52 °C über dem vorindustriellen Referenzwert.

Die Treibhausgasemissionen lagen 2023 bei 55,4 ± 5,1 Gigatonnen CO₂-Äquivalenten, wovon etwa 70 % auf fossile Brennstoffe entfielen. Ein Anstieg der Emissionen aus Landnutzungsänderungen, insbesondere durch großflächige Waldbrände in Nord- und Südamerika, verstärkte diese Entwicklung.

Strahlungsantrieb (Radiative Forcing)

Der Strahlungsantrieb durch menschengemachte Aktivitäten stieg 2024 auf 2,97 W/m², ein signifikanter Anstieg im Vergleich zum IPCC AR6-Wert für 2019 (2,72 W/m²). Dies resultiert aus höheren Konzentrationen an CO₂, CH₄ und N₂O sowie einem Rückgang kühlender Aerosole. Sulfatemissionen aus der Schifffahrt gingen nach strengeren IMO-Richtlinien deutlich zurück.

Energieungleichgewicht und Ozeanwärme

Das Energieungleichgewicht der Erde (Earth Energy Imbalance, EEI), also die Differenz zwischen eingestrahlter und abgestrahlter Energie, hat sich weiter erhöht. Die Erwärmung des Klimasystems zeigt sich insbesondere im Anstieg der Ozeanwärme, der in den letzten Dekaden kontinuierlich zunahm. Zwischen 2012–2024 betrug das EEI 0,99 W/m², ein Rekordwert.

Meeresspiegel und Extremereignisse

Der Meeresspiegel stieg weiterhin durch das Schmelzen von Gletschern und Eisschilden sowie durch die Ausdehnung erwärmtes Meerwasser. Zusätzlich wurde ein neuer Indikator eingeführt: die Jahreshöchsttemperaturen auf Landflächen (TXx), die 2024 mit 2,35 °C über dem vorindustriellen Niveau lagen – ein neuer Rekord.

Niederschlagsveränderungen

Weltweit nahmen die Landniederschläge 2024 zu, was mit veränderten Mustern von El Niño/La Niña zusammenhängt. Besonders in Asien und Australien kam es zu überdurchschnittlichen Niederschlägen, während Teile Afrikas und Südamerikas unterdurchschnittliche Mengen verzeichneten.

Restliches CO₂-Budget

Für das 1,5 °C-Ziel verbleibt ein CO₂-Budget von nur noch 130 Gigatonnen (bei 50 %-Wahrscheinlichkeit). Bei gleichbleibenden Emissionen würde dieses Budget in gut 3 Jahren aufgebraucht. Für ein 67 %-Ziel sind nur noch 80 Gt CO₂ verfügbar.

Links: orf on und Indicators of Global Climate Change 2024 (Onlinebericht) 

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